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Obdachlos - Meine Lebensreise

Eine meiner wichtigsten Erfahrungen machte ich im Jahre 1978, als ich schwer krank ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Damals war ich zweiunddreißig Jahre alt. Nach Wochen ohne jede Besserung gaben die Ärzte mir kaum noch Hoffnung. Und dann passierte etwas. Inmitten meiner Heilungskrisen machte ich tiefgreifende spirituelle Erfahrungen. Ich spürte eine starke Verbindung zu Gott, erlebte ihn als eine Quelle unendlicher Liebe, die die gesamte Schöpfung durchströmte. Auch ich war ein Teil dieser unermesslichen Liebe, das wurde mir in diesem Moment deutlich bewusst.rnrnDann richtete sich meine gesamte Aufmerksamkeit auf meinen Körper, und ich geriet in einen glücklichen, ja nahezu ekstatischen Zustand, der mehrere Wochen lang anhielt. Im Umgang mit anderen Menschen empfand ich mehr spielerische Leichtigkeit. Es war, als ob ich eine neue Haut übergestreift hätte und ein anderer Mensch geworden wäre. Der behandelnde Arzt im Krankenhaus meinte, ich hätte mich selbst geheilt.rnrnNach meiner Heilung folgten Jahre der inneren Befreiung. Ich wanderte nach Spanien aus, um mich zu verwirklichen. Zuerst arbeitete ich dort als Deutschlehrerin an einer Sprachschule, später fertigte ich eigene Strickmode an, die ich an Boutiquen verkaufte. Meine Pullis waren für viele Touristen schöne Erinnerungsstücke an den letzten Urlaub. Ohne dass ich mich bewusst dafür entschieden hatte, begann ich jetzt auch Menschen zu heilen. Meine Freunde und Bekannten spürten das als angenehme und beschwingte Energie, die ihnen guttat. Viele berichteten, dass diese positive Energie noch lange nach unserem Treffen anhielt, manche wurden auch plötzlich von Kopfschmerzen befreit, die sie vorher lange gequält hatten. Immer häufiger kamen Bekannte und Freunde mit ihren seelischen und körperlichen Beschwerden zu mir.rnrnEine neue Liebe brachte mich vier Jahre später nach Düsseldorf. Bernd und ich heirateten einige Monate später. Neben meinem »Brötchenjob« als Sekretärin erlernte ich Atemtherapie, Reiki, geistiges Heilen und verschiedene andere spirituelle Therapiemethoden. Diese Ausbildungen halfen mir,meine angelegten Fähigkeiten zu schulen und auszubilden. In meiner späteren Tätigkeit als Atemlehrerin setzte ich auch meine energetischen Heilfähigkeiten ein. Da ich hellwissend und hellsichtig war, formulierte ich meine Atemanweisungen intuitiv so treffend, dass meine Klienten spontane Aha-Erlebnisse hatten, die zur raschen Lösung ihrer Thematik führten. Meine Hellsichtigkeit verhalf mir zu einem unerwarteten spirituellen Durchbruch. In den zwölf Jahren meiner Düsseldorfer Zeit wurde ich als Channel-Medium erfolgreich und bekannt.rnrnAls meine Ehe geschieden wurde, zog mich meine Sehnsucht nach Sonne wieder an die spanische Küste. Hier setzte ich meine Arbeit als Channel-Medium und Atemlehrerin fort. Auch für meine heilerischen Fähigkeiten gab es neue Aufgaben. Eines Tages brachte eine Freundin ihre Mutter zu mir, die seit zwanzig Jahren nicht mehr richtig sprechen konnte. Nachdem ich ihr einige Male Energien übertragen hatte, konnte sie sich plötzlich wieder richtig entspannen, begann normal zu atmen und war in der Lage, sich deutlich zu artikulieren.rnrnDas Heilwerden löste bei den Menschen, die ich behandelte, Wellen der Freude aus. Immer öfter kamen die Menschen nun mit ihren Anliegen zu mir, nicht nur Ausländer, sondern auch viele Spanier.rnrnWas einfach begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit jedoch zu einer großen Herausforderung.rnrnEines Tages kam ein Geschäftsmann zu mir. Er bot mir an, die Mitarbeiter seiner Immobilienfirma in medialen Fähigkeiten zu trainieren. Er wollte, dass seine Leute durch dieses Training ihren Selbstwert steigern und damit lukrativere Geschäfte machen. Auch bot er mir an, in der dortigen Tageszeitung kostenfreie Inserate zu schalten. Einige Tage später lud er mich zu einem besonderen Meeting ein, bei dem viele angesehene Geschäftsleute anwesend wären. Er sagte, dass es für mich eine Ehre sei, als einzige Frau bei diesem Treffen dabei zu sein. Ich bekam Gänsehaut. Hier stimmte etwas nicht. Mit meinen hellsichtigen Sinnen spürte ich, dass es sich bei dieser Einladung um eine Eintrittskarte zu einer unseriösen Organisation handelte.rnrnWie überall in der Welt gab es auch an der spanischen Küste mafiaähnliche Organisationen, die zum »Mitspielen« zwangen. Das hatte ich bereits durch Gespräche mit meinen spanischen Freunden mitbekommen. Da ich nicht in unehrliche Machenschaften verwickelt werden wollte, lehnte ich die Teilnahme an diesem Treffen ab. Nun begannen ernsthafte Probleme. Wie durch einen geheimen Fingerzeig wandten sich plötzlich die Menschen von mir ab. Im Supermarkt wurde ich nicht mehr höflich begrüßt, andere Bekannte schauten einfach weg, wenn sie mich auf der Straße sahen. Auch meine Klienten mieden mich ab dieser Zeit immer öfter. Auf meine Fragen, was los sei, bekam ich die Antwort, dass mit mir etwas nicht stimmen würde. Es war, als hätte ich ein Mal auf der Stirn, das jedem zeigen sollte, dass ich zu den Ausgegrenzten gehörte.rnrnKurze Zeit später kam ich in meine Wohnung und sah, dass jemand eingebrochen hatte. Die Einbrecher hatten sich keine Mühe gemacht, die Wohnung unverändert zu hinterlassen. Ich brauchte nicht viel Fantasie, um ihre Botschaft zu verstehen, vor meinem geistigen Auge konnte ich intuitiv die Bilder von Drogen und Drogenszenen erkennen.rnrnDie Anerkennung durch meine Kollegen verwandelte sich ebenfalls in Neid und Missgunst. Diese unerwarteten Schwierigkeiten brachten mir mit der Zeit starke finanzielle Einbrüche. Nach einigem Überlegen wurde mir klar, dass Rückzug der einzig sinnvolle Ausweg war. Ich wollte mir kein Geld von Freunden leihen, solange ich nicht wusste, wie ich es zurückzahlen konnte. Schulden, so wusste ich, waren kein guter Start für einen Neubeginn. Die Angst vor Übergriffen saß mir im Nacken. Eine Weile lang überlegte ich, ob ich zurück nach Düsseldorf reisen sollte. Doch eine Freundin war gerade in den Entwicklungsdienst nach Afrika gegangen und die andere Freundin hatte in der Zwischenzeit geheiratet und war schwanger. Diese beiden Menschen konnte ich jetzt nicht um Hilfe bitten.rnrnSo entschied ich mich, nach zwanzig Jahren Abwesenheit mit leeren Taschen in meine Heimatstadt Heidelberg zurückzukehren. Ich hatte alles verloren. Mein einziger Hoffnungsschimmer war eine vorübergehende Bleibe bei meiner Schwester. Ein Schutzraum, in den ich mich für ein paar Tage fallen lassen wollte. Die Verbindung zu meiner Schwester war – wie ich glaubte –stabil, sodass dieser Schritt für mich akzeptabel erschien. Immerhin hatte mich meine Schwester mit Ehemann drei Wochen in den Ferien besucht, auch ich war zweimal in Heidelberg gewesen. Wir waren zwar nicht die dicksten Freunde, doch zwischendurch hatten wir immer mal wieder miteinander telefoniert und Neuigkeiten ausgetauscht.rnrnAls mir meine Schwester nun unerwartet jegliche Hilfe verwehrte, brach eine Welt für mich zusammen. Sie wollte nicht, dass ich nach Heidelberg zurückkehre. Vielleicht hatte sie Angst, dass mit meiner Rückkehr ihr künstlich aufgebautes Kartenhaus der heilen Welt zusammenfallen würde. In unserer Familie gab es noch viele ungeklärte Verzerrungen.rnrnMit ihrer Weigerung, mir zu helfen, wurde etwas bisher Unvorstellbares Wirklichkeit – der Weg ins Obdachlosenheim. Ich war der Meinung, dass mir in meiner Not vorübergehend Sozialhilfe zustünde. Deutschland ist schließlich ein Sozialstaat und ich hatte jahrelang Sozialabgaben geleistet. Doch ich erfuhr, dass mir ohne einen festen Wohnsitz kein Anspruch auf Sozialhilfe zustand, egal wie viele Jahre lang ich eingezahlt hatte.rnrnIch wohnte eineinhalb Jahre im Obdachlosenheim. Für fünf Mark am Tag habe ich dort gearbeitet und dabei viele Demütigungen erlebt. Diese schicksalsreiche Zeit wurde für mich zu einem bedeutungsvollen Weg der Selbsttransformation. Ich wuchs meilenweit über mich hinaus. Die Erfahrung meiner Obdachlosigkeit wurde zur Meisterprüfung auf meinem spirituellen Weg, bei dem mich mein Schutzengel immer begleitet hat.


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Verlag: Books on Demand
Autor: Christiane Maria Völkner
ISBN: 9783839155158

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